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 Sehen, Erkennen, Sammlen, Benennen, Zeichnen, Malen, Fotografieren, Texte und Objekte herstellen und bearbeiten, Installationen einrichten. Häuser bauen. Denken. Bedenken, Umdenken. Den Körper erforschen, erfassen, erfahren, die Umwelt erkennen, sinnlich und geistig. Dann anschaulich machen. Die Düsseldorfer Künstlerin Suse Wiegand stellt sich zur Verfügung und schöpft alle Techniken aus, die Welt zu erforschen. Will man ihr folgen, brauchte es den Mut, zu verzichten. Auf den gewohnten Blick. Auf das vermeintlich Wahre. Doch die Angst wird belohnt.
Geht man ihr nach, erschliessen sich der Reichtum und die Fülle, die für die meisten von uns im vermeintlich Banalen verborgen bleiben. Sie öffnet die Augen für neue, andere, bislang übersehene Dimensionen einer Sache. Von Dingen. Von Sachverhalten. Ihre Kunst gibt ein Rätsel auf und löst ein anderes. Führt in die Irre und zurück. Führt leichtsinnig zum Wesentlichen und daran vorbei ins Staunen und Wundern.
Wie sieht ein Kuchen aus, gebacken in den zwei getrennten Hälften einer einst runden Kuchenform?
Wie klingt das Klatschen einer Hand?

Über viele Jahre entstanden die Objekte von Suse Wiegand aus Sammel- und Fundstücken. Auf Flohmärkten erworben oder am Strand aufgelesen werden Gegenstände des alltäglichen Umgangs bearbeitet und verwertet zu Kunst. Kleiderbürsten, Tennisschläger, Spazierstöcke, Federbälle und Badelatschen erzählen von Reibung, vom Aufprall, vom Halten und Stützen, von der Luft und der Leichtigkeit, von Weichheit und Wärme und von der Vergänglichkeit. Siebe wissen um Durchlässigkeit, Luftballons von Spannung und Schlaffheit.
Suse Wiegand setzt sich in Beziehung, wie sie auch die Dinge in Beziehung setzt und Verhältnisse schafft. Sie klappt, verstürzt, kippt, bricht auf, schneidet, trennt und verbindet. Beruhigt, stopft, füllt, wärmt. Sortiert, gruppiert. Beschützend, verständnisvoll, einfühlsam, geistreich und witzig, aber auch aggressiv. Barbarisch, wenn eine wertvolle Geige halbiert wird.
Während den so entstandenen Objekten ein fast intimes Verhältnis zur Künstlerin anhaftet, sind die neueren Arbeiten von Suse Wiegand gelöster. Die Materialien und Gegenstände sind nicht durch Spuren einer Vergangenheit geprägt oder belastet. Sie sind ebenfalls alltäglich, aber neu. Einfache Lampignons, Ess-Stäbchen aus Holz oder weisse Kreiden erlauben es, Ideen und Begriffe auf einer objektiveren und leichteren, dabei gleichzeitig intensiven Ebene anschaulich zu machen und zu vermitteln.
Immer ohne Titel
 Natascha Borowsky, Fotografie
Die Gegenstände, die von Natascha Borowsky fotografiert werden, sind in mehrfacher Hinsicht zur Ruhe gekommen. Zuletzt durch das fotografiert werden bei Tageslicht, mit einer Grossbildkamera. Zunächst aber dadurch, dass die Künstlerin sie gefunden hat. Sie erkundet ihre Umgebung nach Objekten, die entweder charakteristisch für ihre Umgebung sind, in Läden, auf Wochen- und Flohmärkten, an Bahnhöfen, auf Gehsteigen. Oder aber sich zufällig an dem jeweiligen Fundort befinden, weggeworfen, verloren, abgenutzt, unkenntlich durch Gebrauch oder Verschleiß, durch Verschmutzung oder durch Klima- und Witterungseinflüsse. Sie wurden irgendwann aus ihrem Zusammenhang gelöst, sind Fremde an dem Ort, an dem sie gefunden werden und sind zusätzlich verfremdet durch die Spuren der Zeit. Das sind Teile von Pflanzen oder Tieren wie Wurzeln, Früchte, Korallen, Knochen, Felle oder Innereien genauso wie Stoffreste, Kunststoff-Teilchen, Scherben oder Metall-Teile ungewisser Herkunft. 
Einmal auserwählt und mitgenommen, werden die Gegenstände gelagert, bewahrt und sortiert, bis die Künstlerin ihnen nach einiger Zeit eine neue Umgebung, einen neuen Hintergrund - vor dem das Objekt dann fotografiert wird - schafft. Diese Hintergründe variieren entsprechend dem Material, der Form und der Beschaffenheit der Sammelstücke. Die Fläche steht im Dialog mit dem aufgelegten Objekt, kann dessen Formen, Linien, Muster, Maserungen und andere Merkmale aufgreifen. Sie trägt und hält den Gegenstand, hebt ihn auf und schenkt ihm Geborgenheit und Ruhe. Neben Haaren, Wachs, Holz, Stoffen, Pappen, Gummi und Chemiefasern gibt es Hintergründe, die speziell für gewisse Objekte hergestellt werden. Verlangt beispielsweise ein Gegenstand nach Tiefe, kocht die Künstlerin ihm Pflaumenmus als Hintergrund. Andere verlangen eine glatte Fläche, wärmende Fasern oder florale Ornamente.
So fotografiert, verwandeln sich selbst Dinge, die sich übersehen oder für immer verloren glaubten, in Pretiosen. Sie integrieren sich in die neue Umgebung und scheinen zu wissen, dass sie der Vergänglichkeit entrissen sind.
Sunat
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