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Nanne Meyer

"Lineament"

Die Linie ist das Grundelement der Zeichnung, ihre Möglichkeiten das "Alphabeth" des Zeichners. Eine Linie kann beides, befestigen und öffnen, ordnen und verwirren, umreissen und durchkreuzen, Grenze und Knäuel, bestimmt und unbestimmt sein.Wer eine Linie zieht, kann hineingezogen werden. Das Sehen fängt an zu spielen, Worte stellen sich dazwischen, selten läßt das immerwährende Denken die Linie ausreden. Linien ziehen heißt Fallen stellen.

Was ist eine Krempe ohne Hut? Was macht eine Linie, die die Leere einkreist? Kann ein Kreis eine Krempe, kann ein Strich eine Tischplatte sein? Linien bringen die Vorstellung ins Rollen, eine Linie ist eine Linie, ist ein alter Hut, ist Bleistift auf Papier. Zeichnen heißt: den Hut ziehen, Linien ziehen, Linien abbrechen, verknoten, laufen lassen, Hüte über den Haufen werfen, das Ernste spielerisch tun, das Beiläufige ernst nehmen und Konzentation mit Leichtigkeit verbinden.

In den Zeichnungen geht es um das Sehen und flüssiges Denken, um Bewegung Auflösung und Umdeutung, um Wasser und Worte, um das Auseinanderdriften von Sinn und Zweck, und das wieder Anlanden in fremden Zusammenhängen.

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