| "Lineament"
Die Linie ist das Grundelement der Zeichnung, ihre Möglichkeiten das
"Alphabeth" des Zeichners. Eine Linie kann beides, befestigen und
öffnen, ordnen und verwirren, umreissen und durchkreuzen, Grenze und
Knäuel, bestimmt und unbestimmt sein.Wer eine Linie zieht, kann
hineingezogen werden. Das Sehen fängt an zu spielen, Worte stellen sich
dazwischen, selten läßt das immerwährende Denken die Linie ausreden.
Linien ziehen heißt Fallen stellen.
Was ist eine Krempe ohne Hut? Was macht eine Linie, die die Leere
einkreist? Kann ein Kreis eine Krempe, kann ein Strich eine Tischplatte
sein? Linien bringen die Vorstellung ins Rollen, eine Linie ist eine
Linie, ist ein alter Hut, ist Bleistift auf Papier. Zeichnen heißt: den
Hut ziehen, Linien ziehen, Linien abbrechen, verknoten, laufen lassen,
Hüte über den Haufen werfen, das Ernste spielerisch tun, das Beiläufige
ernst nehmen und Konzentation mit Leichtigkeit verbinden.
In den Zeichnungen geht es um das Sehen und flüssiges Denken, um
Bewegung Auflösung und Umdeutung, um Wasser und Worte, um das
Auseinanderdriften von Sinn und Zweck, und das wieder Anlanden in
fremden Zusammenhängen.
|