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Inge Broska | Rolf Kirsch | Sebastian Wilke | Katja Mummert

23. Juli - 18. September 2004

Mit den Füßen zuerst
     Inge Broska

Inge Broska ist mit Teilen ihres Hausmuseums von Otzenrath nach Aachen umgezogen. Fotos dokumentieren das Schicksal dieses Ortes im Braunkohlerevier.

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     Rolf Kirsch

Ganz persönliche Erinnerungen an Otzenrath, das den herannahneden Baggern weichen muss, verknüpft Rolf Kirsch mit seinen Zeichnungen.

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   Sebastian Wilke

Dokumentarfilm

 
Moving Minds
    Katja Mummert

Im Tagebau Inden war die Fotografin Katja Mummert fasziniert von Menschen aus Afrika und dem Balkan, die im Abriss-Dorf Inden Zuflucht fanden.

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Mit den Füßen zuerst

In "Mit den Füßen zuerst" steht Otzenrath, das bald dem heranrückenden Tagebau Garzweiler II weichen wird, im Mittelpunkt. Inge Broska (Fluxus, Performance, langjährige Mitarbeit im Bonner Frauenmuseum) hat in dem Ort am Jackerather Autobahnkreuz im Haus der Eltern das "Hausmuseum Otzenrath" gegründet. Mehr als hundert Jahre hat ihre Familie in der Düsseldorfer Straße 21 gewohnt. Ihr Opa war Seidenweber und verließ den Ort nur, um seine Ware in der Seidenstadt Krefeld zu verkaufen. Einen Liebesbrief von ihm an ihre Großmutter hat Inge Broska noch. Darin schreibt der Opa begeistert von dem neuen Haus, in das er mit seiner Frau nach der Hochzeit ziehen wird.
An den Wänden der Galerie hängen etliche Fotos: Die Eltern und Großeltern, Inge Broska und ihre Geschwister. Die Kinder beim Baden in der Zinkbadewanne im Garten. Die Mutter mitten in einer Hühnerschar.
Inge Broska hat gekämpft für den Ort Otzenrath, so wie ihr Vater gekämpft hatte. Als er starb, zog sie von Köln zurück in ihr Elternhaus. Das Haus sollte erhalten bleiben, das war für sie und ihre Geschwister klar. Nun ist der Kampf verloren. Das Haus wird - wie ganz Otzenrath - von der Landkarte verschwinden. Der Abriss ist in vollem Gang, auch darüber berichtet die Ausstellung - im einem Dokumentarfilm von Sebastian Wilke, in Zeichnungen (Rolf Kirsch) und Fotos. Nach der Umsiedlung wird das Hausmuseum an einem neuen Ort entstehen.

Moving Minds

Von wunderbaren Menschen, denen sie sich eng verbunden fühlt, berichtet die Aachener Fotografin Katja Mummert, die soeben ihr Studium an der Akakdemie für Bildende Künste in Maastricht abschloss. Anfang 2004 lebte sie fünf Wochen im Tagebau Inden in einem Campingwagen neben einem Haus, in dem 25 Asylbewerber/innen aus Afrika und den Balkanländern Zuflucht fanden. Sie wohnten in dem letzten noch stehenden Haus in dem Dorf Inden, nach dem der Tagebau benannt ist. "Urspüngliches Ziel meiner Arbeit war es, die Integration der Hausbewohner in die nahe gelegene Ortschaft Inden/Altdorf zu dokumentieren." berichtet Katja Mummert über ihr Projekt, mit dem sie ihr Studium abschloss. "Nach einigen Wochen stellte ich fest, dass eine solche Integration so gut wie nicht stattfand. Die nicht funktionierende Integeration wurde zum Thema meines Examens. Mit meiner Kleinbildkamera porträtierte ich den Alltag der Leute. Kurz nach Beendigung meines Aufenthalts fand die Umsiedlung der Asylbewerber/innen in die umliegenden Ortschaften statt. Hier entstanden die letzten Dokumentationsfotografien."
Hintergrund in Inden war stets die triste, öde Landschaft, in die die Asylbewerber/innen gesetzt wurden oder die spärliche Inneneinrichtung. "Die Menschen", so Katja Mummert, "stachen aus dieser kargen Gegend heraus. Und zwar durch ihre starke Persönlichkeit. Ich nahm die Lebendigkeit und auch die ansteckende Freude zwischen den Hausbewohnern wahr. So entschied ich mich dafür, die Wichtigkeit und die Schönheit dieser Menschen in den Vordergrund zu stellen - im Gegensatz zu der toten Landschaft und dem tristen Interieur. " Auch die Umgebung, in der sie jetzt leben, ist oft karg. "Es gibt jedoch auch positive Beispiele gegenüber ihrer ehemaligen Wohnung in Inden", sagt Katja Mummert.