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Beim Eintritt in die Ausstellung notice von Yukako Ando (*1972) sieht der Besucher die raumfüllende Installation notice I, bei der Blätter eines an der Wand hängenden Abreißkalenders über den Galerieboden verteilt sind -- als wenn der Kalender ein Eigenleben zu Tage gebracht hätte, und die Blätter ihm nach und nach abgefallen wären. Das Arrangement fasziniert durch seine Ästhetik und weckt auch die Neugierde des Betrachters: unwillkürlich beginnt die Suche nach einem inneren Zusammenhang für die Zahlenordnung.
Die in der Nähe platzierte Computeranimation notice II, bei der schwarze und rote arabische Zahlen auf einem Monitor in steter Abfolge und unidentifizierbarer Reihenfolge aufblinken, verstärkt das reizvolle Denk-Spiel noch. Die beiden, schon aufgrund ihrer visuellen Verwandtschaft in Verbindung stehenden Kunstwerke regen dazu an, gedanklich eigene (Lebens-)Geschichten, Geburtstage oder wichtige Abgabetermine u. v. m. auf die Zahlen zu projizieren. Die unmittelbare, zunächst plausibel erscheinende Assoziation eines Gewinnspiels oder einer Form der Zeitmessung relativiert sich schnell angesichts der sich hier entfaltenden kryptischen Systematik. Indem die Künstlerin ganz bewusst auf klärende Hinweise verzichtet, überlässt sie dem Betrachter die Aufgabe, nach einer objektiven Dechiffrierung zu suchen, sprich, den immanenten Code zu knacken, oder aber, eine rein subjektive Interpretation zu wählen. Somit oszilliert die Auseinandersetzung mit den Zahleninstallationen beständig zwischen exakt definierter Objektivität und subjektiver Belegung.
Genau wie Ziffern dienen auch die Buchstaben unseres Alphabets dazu, ein System von eindeutiger Bestimmung zu setzen. Im selben Raum der Zahleninstallationen präsentiert Ando auf der Stirnwand YESN O, ein Ensemble kleiner Gemälde, auf welchen jeweils ein Buchstabe des Alphabets -- in visueller Assoziation zu Leselernbüchern für Kinder -- mit einem Tier desselben Anfangsbuchstabens illustriert ist, z. B. bebildert ein Nilpferd das "N", ein Octopus das "O" u. a. Auch hier wird die Objektivität des Alphabets mit subjektiven Beispielen sinnlich verknüpft.
In den oberen Räumen der Ausstellung sind kleinformatige Bildcollagen von Ando zu sehen. Auf handelsüblichem Dekorpapier entfacht sie malerisch kleine Bildwelten: So zündelt ein vermummter Miniatur-Pyromane qualmend auf rosa-weiß-gestreiftem Papier, die nicht zufällig an Farbfeldmalerein der 1960er Jahre erinnert. Oder ein stolzer Reiter, der einem Vel·zquez-Gemälde entsprungen zu sein scheint, galoppiert dramatisch über ein kleinkariertes Tischdeckenmuster. Ando gelingt auch hierbei die anregende Verbindung von Gegensätzlichem, von "High Art" (kunsthistorische Anspielungen) und "Low Tech" (Alltagsware wie Dekorpapier oder Abreißkalender) auf enorm pointierte und präzise Art. (Elke Kania)
Biographie Yukako Ando 1972 geboren in Osaka (Japan)
1994 Abschluss des Kunststudiums an der Kyoto Seika University, Japan
1994-2001 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Magdalena
Jetelová
1997 Meisterschülerin von Prof. Jetelová
2000 Peter-Mertes-Stipendium, Bonn
2001 Akademiebrief (Diplom)
2002 Artist in Residence, "Chilufim / Transfer", Herzliya, Israel
2003 Atelierstipendium Mönchengladbach
2004 Wilhelm Lehmbruck Stipendium, Duisburg
Lebt und arbeitet in Duisburg
Einzelausstellungen (Auswahl)
2006
"end of season", Wilhelm-Lehmbruck Museum, Duisburg (G/KAT)
"notice", Galerie von der Milwe, Aachen (E)
"straight stories", nüans, Düsseldorf (G)
"Internationale Videokunst" Generatorenhalle der niederrheinwerke, Viersen(G)
"Maedels", Gabriele Rivet, Köln (G)
2005
"aus der Dampfzeit - eine musikalische Theaterperformance in 5 Szenen"
Museum Abteiberg, Mönchengladbach (Projekt / KAT)
"BALD BIN ICH WEG", artothek des Kölnischen Stadtmuseums (E)
"Se(h)quenzen", Galerie von der Milwe, Aachen (G)
2004 "Motivation Hammer", Galleria Traghetto, Venedig, Itarien (E)
"Motivation Hammer", Galerie von der Milwe, Aachen (E)
"Erst kommt das Fressen, und dann kommt die Moral", Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (G)
"make the way", KuKuK VoE, Raeren, Belgien (Projekt)
2003
"TRAFFIC- Ethnografie der Straße" Kunsthaus Essen, Essen (G/KAT)
"Chilufim / Transfer", Kunstmuseum Bonn, Bonn / Museum am Ostwall, Dortmund (G/KAT)
"Arche Noah" Gabriele Rivet, Köln (G)
2002 "inside wall", Galerie von der Milwe, Aachen (E)
"Brain-child Pot", Mehrwert e.V. Interfood Vitrine, Aachen (E)
"Chilufim / Transfer", The Israel Museum, Jerusalem, / Herzliya
Museum of Art, Herzliya, Israel (G/KAT)
"Photo Foto" Galerie von der Milwe, Aachen (G)
2001
"FAULWERK" mit Patrick Jambon, Kunstraum Düsseldorf, Düsseldorf
(E/KAT)
"Brain-child Pot", Galerie Christa Schübbe, Düsseldorf (E)
2000 "Peter Mertes Stipendium" mit Lucy Harvey, Bonner Kunstverein, Bonn (E/KAT)
"Continental Shift", Ludwig Forum, Aachen (G/KAT)
"ATOPIE", Entre Deux, Maastricht, Niederlande (G)
1999 "GO HOME", Galerie Christa Schübbe, Düsseldorf (E)
"in de ban van de ring", Provinciaal Centrum voor Beeldende
Kunsten – Begijnhof, Hasselt, Belgien (G)
"smokkelschmuggelsmuggle 19992000", Aktion "Pick up STREET" in
Luxembourg, Unterstützung von CASINO LUXEMBOURG Forum d'art contemporain, Luxembourg (G/KAT)
1998 "ORIENTATION", Neuer Aachener Kunstverein, Aachen (E)
E: Einzelausstellung, G: Gruppenausstellung, KAT: Katalog
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