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In seiner neuesten Arbeit zeigt Reinhard Doubrawa ca. 100 Motive aus seinem
privaten Foto-Archiv. Die Fotos im Format 8 x 12 cm sind zwischen zwei
lackierte Glassscheiben montiert. Je 25 dieser Foto-Objekte befinden sich in
einer Art Archivschrank, drei von ihnen können in Ständern auf den Schränken
betrachtet werden. So lassen sich unterschiedliche Kombinationen entwickeln
und immer wieder neu ordnen. Dabei geht es nicht um die Einzigartigkeit der
Motive -- Doubrawa selbst versteht sie als nicht inszenierte
"Schnappschüsse". Vielmehr interessiert es ihn, das Moment zu ergründen, das
die eigene Aufmerksamkeit auslöst. Dabei kann es sich durchaus um banale
Situationen handeln. Doch die Frage bleibt entscheidend: Wann rückt etwas in
unser Blickfeld, wann rücken wir etwas in unser Blickfeld?
Dieser reflektierende Umgang mit Motiv und Motivation ermöglicht es Reinhard
Doubrawa, Genaueres über die Wahrnehmungsstrukturen zu erfahren, aus denen
seine Sehhaltung und schließlich seine "Wirklichkeit" generiert wird. Er
lässt uns an seinem exemplarischen Verankern einer Welt-Wirklichkeit in dem
Augenblick teilnehmen, in dem wir selbst wahrnehmend erkennen, dass wir eine
Situation ähnlich erlebt haben oder erleben würden. Wir selbst vollziehen
diese Wirklichkeit der Bilder nach, machen uns den Blick des Künstlers zu
eigen. Doubrawa ermöglicht uns in der Kommunikation mit seinen Objekten
einen Abgleich mit unserer eigenen "Wirklichkeit". Dies wird Sinnstiftung
genannt. (Joachim Geil)
Reinhard Doubrawa schöpft aus dem Fundus medialer Bilder und Botschaften, die an unsere Emotionen appellieren und ein ständiges Wechselspiel von Sehnsucht und Entsetzen generieren. Er setzt dort an, wo sich die Ereignisse in unzähligen Variationen wiederholen und die Akteure im Prinzip austauschbar sind. Ein Jahr später, ein Dorf weiter, ein neuer Kandidat: im Grunde das immer gleiche Bild. Reinhard Doubrawa findet und sampelt Bild- und Textfragmente, die tagtäglich auf uns einwirken: Pressefotos und Politikerzitate, Titelbilder und Werbeslogans. Er ist ein rastloser Wirklichkeitskatalysator, der stereotype Slogans, plakative Figuren und aufmerksamkeitsheischende Gesichter als vermeintlichen Spiegel unserer Wirklichkeit subtil unterläuft. (Maria Anna Tappeiner
)
Biographie Reinhard Doubrawa 1963 geboren in Treysa (Hessen)
1986-90 Goldschmiedeschule Pforzheim, Arbeit als Goldschmied
1990-95
Studium, Freie Kunst, an der Kunsthochschule Kassel
1994
Stipendium der Otto-Braun Stiftung, Melsungen
1999
Stipendium der Hessischen Kultur GmbH, Wiesbaden (Ministerium für Wissenschaft und Kunst)
1999-01
Gastprofessur an der Universität Kassel, Fachbereich Architektur (Ästhetische Theorie und Praxis) und Kunsthochschule Kassel, Produkt-Design (Künstlerische Grundlagen)
2000
Residenz-Stipendium am Centre de Sculpture, Montolieu, Frankreich
2002
Residenz-Stipendium am, "HANGAR", Centro de ProducciÛn de Artes Visuales y Multimedia, Barcelona
Einzelausstellungen (Auswahl)
2007 "Details aus der heilen Welt II", Kunstraum Fuhrwerkswaage, Köln
2006 "welcome", blob,-Ausstellungspavillon, Eindhoven, NL
2005 "All you need", Schmidt Galerie, Berlin
"Auf meinem Weg ins Paradies", Museum Neue Galerie, Kassel
2004 "Surface", Galerie Martin Kudlek, Köln
2002 "Public Phone", Montolieu, Frankreich
2001 "Alarm", Galerie von der Milwe, Aachen
2000 "Rèalitè", Centre de Sculpture, Montolieu, Frankreich
1999 "Tag für Tag", Galerie Michael Schlieper, Hagen
1997 "Orbis Pictus", Galerie Schickler, Nürnberg
1996 "Vier Wände", Plateau, Center for Performing Arts, Brüssel
Beteiligungen (Auswahl)
2006 "Material World, Schmidt Galerie, Berlin
"Synchron", Larm Galleri, Kopenhagen
2005 "Märtyrer des 20. Jahrhunderts", Museum Goch, Goch
"Papier Kunst 5", Neuer Kunstverein Aschaffenburg, Aschaffenburg
2004 "Privatgrün", 55 Interventionen im privaten Raum, Köln
2003 "Köln-Quartett", Kunstraum Fuhrwerkswaage, Köln (Kat.)
"Overdrive ", Stadtgalerie, Tuttlingen und Städtische Galerie, Sindelfingen
2002 "Annäherungen an das Unberechenbare", Leopold-Hoesch-Museum, Düren
2001 "Somehow Exhibition", MU-Art Foundation, Eindhoven
"Die andere Seite", Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen
2000 "Barockhaus", Museum Schloß Moritzburg, Dresden (Kat.)
"Back to Kassel", Kasseler Kunstverein, Kassel
1999 "Gastspiel", Kunstverein Nürnberg, Albrecht Dürer Gesellschaft, Nürnberg
1998 "Artikel", Kunsthaus Grenchen, Grenchen, CH
"Multiples", Stadtgalerie, Ravensburg
1997 "Para-Site", Gulden Vlies Galerijen, Brüssel (Kat.)
"Intersection II", Margaret Harvey Gallery, St. Albans, London (Kat.)
1996 "Kunstpreis Eisenturm", Kunstverein Mainz, Mainz
"Intersection", Open Space Gallery, Reading (England)
Kat.: Katalog
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