|
Marianne Buttstädt
Allgegenwärtig in den Zeichnungen von Marianne Buttstädt ist ein kleiner, kranker Junge, der jetzt wieder guter Dinge ist.
Marianne Buttstädt hat, bevor sie zur Bauhaus-Universiät Weimar wechselte, Kunsterziehung studiert. Diese Erfahrung bringt sie mit ein in ihre Kurse mit erwachsenen Krebspatienten an der Uni-Klinik Leipzig: Kunst als Bestandteil der Therapie. Wie aber verfährt man, wenn die Diagnose für das eigene Kind große Sorge bereitet?
Dieser Frage hat sich Marianne Buttstädt stellen müssen. Ihre Zeichnungen sind daher auch als Selbsttherapie zu begreifen. Sie geben den A.L.L.tag des Kindes aus Sicht der Mutter wieder: Sie konnten, ja durften erst entstehen, nachdem der Genesungsprozess erfolgreich verlaufen ist: Die Mutter begann, ihre Stimmungen und Beobachtungen in Bildsprache umzusetzen. Marianne Buttstädt geht sparsam mit Bleistift, Filzstift und Marker um. Die Bildfläche ist spartanisch gefüllt -- so bleibt viel Fläche, um den Raum mit Gedanken zu füllen.
(mvdm)
Uta Koslik
Die Arbeiten zeigen Figuren ganz oder im Anschnitt, genau charakterisiert oder reduziert auf wenige Merkmale in mehr oder weniger konkret entschlüsselbaren Situationen.Tiere, Spielsachen und Proportionen lassen an Kindheitserinnerungen und -erfahrungen denken. Einige Blätter strahlen eine dezente Komik aus, der überwiegende Tenor ist melancholisch.
Die Zeichnungen sind Aufzeichnungen, die zunächst absichtslos und nicht zielgericht erscheinen, Traumsequenzen nicht unähnlich sind es Fragmente, die mit ihren Abrisskanten oder verlaufenden Linien das Verlangen nach Fortsetzung beim Betrachter evozieren, oder isolierte Gegenstände und Figuren auf der Suche nach Zusammenhängen. Sie sind sensibel aber entschlossen und gespeist von intensiver Erinnerung und genauer Beobachtung. Die Offenheit der Zeichnungen wirkt einladend zu eigenen Assoziationen und Erinnerungen. Die lakonische Darstellungsweise vermeidet übertriebenes Pathos...die Zeichnung als Entdeckung, Spur und Abdruck reflektierter flüchtiger Momente.
Prof. Thomas Matthaeus Müller (HGB Leipzig)
 |