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In einer Welt optischer Überfülle und fragwürdiger Ästhetik erweist sich
Thomas Böing als Meister der Reduktion. Schlicht „Container“ (2007) nennt er eine in Größe und Form exakt am Bezeichneten angelehnte Skulptur, gebaut aus Spanplatten in vier Farben. Die Öffnungen sind geschlossen, in diesen Container lässt sich nichts entsorgen; er
existiert als Raum im Raum. Weiß man, dass das Material einst Teil einer
temporären Ausstellungsarchitektur war, denkt man fast zwangsläufig an
globale Kunstverschickungen und überall gleiche sogenannte Kunstevents,
die kaum vorbei, bereits vergessen sind. Böings Container allerdings
schiebt sich, einmal gesehen, für immer vor die Wahrnehmung seiner
funktionierenden Namensvettern, die einen ferner anschauen als je zuvor.
Einen ebenfalls nicht betretbaren Raum stellt das „Gartenhaus Jan“ (2004) dar, eine künstlerisch gleichfalls präzise Mischung aus Realitätsbezug und –verschiebung, bei der die Fertigteile eines tatsächlichen Gartenhauses wie mit einem überdimensionalem Locher systematisch durchlässig gemacht wurden, so dass auch die Dachpappe keinen Schutz mehr vor Regen bieten würde. Anders als viele Skulpturen, die als Fertigprodukte beliebig aufzustellen sind, nutzt Böing ein Fertigprodukt, um es an einem bestimmten Ort zu installieren – im Galerieraum kann es, was durchaus der Absicht des Künstlers entspricht, weder genutzt noch bequem umgangen werden.
Auch Böings „Besucher“ (2007 ), hochprofessionell in Audi LYZW
Silbermetallic lackiert, ist installativ inszeniert: Er steht, aus der Form geraten wie er ist, vor einem schmalen Spiegel, weit entfernt davon, wie ein Spielzeug zu wirken, gefangen in einer amorphen Form, zusammengehalten von glänzender Oberfläche.
Materialbewusstsein zeichnet Böings skulpturales Werk aus, und es setzt sich auch bei seinen Fotoarbeiten fort: Üblicherweise ist die Oberfläche von Fotografien hermetisch, manchmal ebenfalls hochglänzend, was das Ganze, in Ermangelung erkennbarer künstlerischer Handschrift, die sich lediglich im gewählten Ausschnitt und einem möglicherweise erkennbaren fotografischen Stil äußert, zu einer unsinnlichen Angelegenheit machen kann.
Reduktion ist auch hier die Maxime von Böing, und damit zerstört er in diesem Fall die Oberfläche, denn die „Rechtecke“, so der Titel seiner dreiteiligen Serie aus dem Jahr 2007 , sind aus den Fotografien herausgeschnitten; Leerstellen, die Roland Barthes' Begriff des punctum ganz anders interpretieren lassen: als das, was dadurch irritiert und aufmerksam macht, indem es fehlt, nicht indem es, wie üblich, als widerständiges Element eines ansonsten kontemplativ lesbaren Bildes sichtbar ist. So fehlt das Tafelbild im fotografierten Museumssaal ebenso wie der Blick aus dem Fenster, der oft als Metapher für die Kunst gedient hat. Stattdessen wird der Blick auf die dahinterliegende Wand, die Umgebung der Bilder, gelenkt – auch hier hält Realität, auf sehr spezifische Weise, Eingang in die Kunst. (Kerstin Stremmel)
Biographie 1963 geboren in Rhede (Westfalen)
1986-93 Studium an der Hochschule für bildende Kunst Hamburg bei Prof. B. Blume; Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. A. R. Penck
1993 Meisterschüler
1993 Reisestipendium des Bundesministers für Wissenschaft und Bildung
1993 Reisestipendium der Kunstakademie Düsseldorf
Einzelausstellungen (Auswahl)
1994 Neue Arbeiten, Kunstverein Greven (Katalog)
1996 Lucy, Galerie Thor Zimmermann, Köln
1998 Pool, Mehrwert e.V., Aachen
1998 Lucy, Galerie Croxhapox, Ghent
2000 Pool, Galerie Schneiderei, Köln (mit Vortrag "Kunst und Freizeit: Langeweile")
2001 Volumen, Diözesanmuseum Köln (Katalog)
2002 Mittags, Galerie von der Milwe, Aachen
Gruppenausstellungen (Auswahl)
1992 Junge Kunst, Landesmuseum Saarbrücken (Katalog)
1992 Go to, WMF-Haus, Berlin
1995 Kunst und Ökologie, Nürnberg u.a. (Katalog)
1995 Jahresgabe Kölnischer Kunstverein
1997 Kimchi und Sauerkraut, Galerie Münsterland, Emsdetten (Katalog)
1998 Wohnzimmer, Lieblingsort Köln (Katalog)
1999 Transatlantik, Galerie Feed, New York
1999 Review-Preview, Galerie Schneiderei, Köln
1999 Zwischenraum 08, Münster
2001 Accrochage, Galerie Schneiderei, Köln
2001 Neubau, Galerie Stefan Rasche, Münster
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