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Foto Sonderschau "Rolandsend" : 26. April - 03. Mai 2008

ROLAND - Kunstprojekt Kleingarten in der Aachener Soers
23. Februar - 03. Mai 2008

Kati Barath / Oliver Schulze (Köln)
Thomas Böing (Köln)
Klaus Dauven (Kreuzau)
Reinhard Doubrawa (Köln)
Christa Feuerberg (Neroth/Eifel)
Happy Endings Film (Aachen)
Petra Herzog (Aachen)
Michael Krupp (Aachen)
Barbara Kruttke (Düsseldorf)
Bea Otto (Aachen)
Johanna Roderburg (Aachen)
Beate Selzer (Mönchengladbach).
Desiree Palmen (Rotterdam)



Die Kunstaktion im Kleingarten Roland (23. und 24. Februar 2008)
Besichtigung bis 28. Februar 2008
Die Ausstellung in der Galerie von der Milwe (28. Februar bis 03. Mai 2008 )

Klicken Sie bitte auf die Bilder, um eine größere Ansicht zu sehen
 
Heike Kati Barath und Oliver Schulze
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Heike Kati Barath und Oliver Schulze entwerfen die Situation einer Verbarrikadierung. Der kulturellen Sucht nach künstlerischer Erneuerung und Umwälzung steht die traurige Situation an der Kleingartenanlage gegenüber, denn hier wäre das Bestehen und Bleiben erwünscht. Barath und Schulze untermauern das bildungsbürgerliche Vorurteil vom engstirnigen Kleingärtner nicht. Sie feiern die kreativen Möglichkeiten eines Kleingartens. Spielerisch inszenieren sie ihren Protest: der Bretterbeschlag ist gemalt und der Zorn findet in Zeichnungen Ausdruck. Eine Fotowand erinnert an die Blütezeit im Roland.

Was sie real im Garten umsetzten, zeigen Barath / Schulze als Modell in der Galerie: ein ironischer Protest gegen eine verbarrikadierte Gedankenwelt.

 
Thomas Böing
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Die Arbeit von Thomas Böing entwickelt ein fragiles Gleichgewicht nicht nur im statischem Sinn, sondern auch zwischen Zerstörung und Lochmuster ( Ornament ), autonomer Skulptur und Ortsbezug. Ein Haus, das wie mit einem überdimensionalem Locher systematisch durchlässig gemacht wird, nicht betretbar ist und weder Schutz noch Obdach gewährt. Böing: „Die Wohnung erschien mir eng und abgeschlossen.
Der Abfluss im Badezimmer brachte mich auf die Idee, die Wohnung durchlässiger zu gestalten. So begann ich Stück für Stück der Einrichtung zu löchern. Wenn ich jetzt nach Hause komme, habe ich immer etwas zu tun, und die Wohnung ist irgendwie luftiger.“

Modelle in der Galerie runden diese Gedankenwelt ab.

 
Klaus Dauven
klaus_dauven
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Klaus Dauven hat das Pflaster vor dem Vereinsheim mit Rosen-Ornamenten versehen  – das ist eine Hommage an den Kleingarten, der für seine Rosenpracht bekannt war und mehrfach ausgezeichnet wurde. Seit 2003 arbeitet Klaus Dauven mit Hochdruckreiniger und Schablone. Er benutzt bei seiner Zeichentechnik die gleichen Flächen wie Sprayer, aber im Gegensatz zu ihnen fügt er nichts hinzu, sondern trägt ab, um Bilder zu erzeugen. Er befreit Flächen von jahrelangen Ablagerungen. Die Lebensdauer dieser Vor-Ort-Arbeiten sind begrenzt. Schon unmittelbar nach der Reinigung setzt der Verschmutzungsprozess erneut ein. Über Dauvens  Rosen im Kleingarten fahren bereits schwere Bau-Maschinen. Die gewaltige Schablone steht in der Galerie. Im Schaufenster erinnern drei gesandstrahlte Steinplatten an die vergängliche Rosenpracht im „Roland“.

 
Reinhard Doubrawa
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Reinhard Doubrawa schreibt über seine Arbeiten im Kleingarten und in der Galerie : „Wer sich den Freiraum eines Gartens gönnen darf, der kann sich glücklich schätzen. Hier ist selbst bestimmtes Handeln möglich und, so widersprüchlich es klingen mag, gefordert. Die Folgen werden ganz direkt sichtbar. Der Garten ist eine Urform der Gemeinschaft, er ist Freiraum und erlaubt Ungebundenheit und schenkt Glück. Somit ist der Gärtner auch ein Stück weit ein Anarchist, wenn man den Begriff aus dem Altgriechischen herleitet oder dessen Bedeutung in der Aufklärung betrachtet. Nichts ist also angebrachter als die Sehnsucht nach einem Garten.“ Diesen Gedanken setzt Doubrawa in Schriftform um: „Sehnsucht ist eine sehr gute Sache. Vielleicht noch besser als Erfüllung.“

 
Christa Feuerberg
christa_feuerberg
  christa_feuerberg
Christa Feuerberg reitet auf einer Schimmelstute, Zauberpferd alter Mythen: Heute ist Aufbruch angesagt. Nomadisieren mit kleinem Gepäck. Die Gärtner und Gäste erhalten zwei kleine verbundene Schachteln. Die Murmel in der einen, Himmel und Hölle in der anderen. Zwei alte Kinderspiele. Lege die Murmel hinein und lasse sie tanzen zwischen Himmel und Hölle.

Das Spiel – verborgen in 12 Schachteln - setzt sie fort in der Galerie: Himmel und Hölle türmen sich, Murmellichter entzünden sich vor zwei Zeichnungen: Piän-Ma und Ilovic, zwei Schattenpferde, fliegen über Wüsten, die einmal Gärten waren. Flüchtige Landschaften.

 
Petra Herzog
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Zerschlagene Fenster, der Rasen davor mit Glassplittern übersät. Diese Trostlosigkeit verstärkt Petra Herzog durch eine bürgerkriegsähnliche Inszenierung. Sie lässt dichte Nebelschwaden aus einer verwüsteten Fassade dringen.

In der Galerie zeigt Petra Herzog zwei schwarz-weiß Fotos: bedrohlich und eindringlich. Zur Geschichte des Hauses: Über Nacht waren dort Einbrecher eingedrungen und hatten – sehr professionell – eine der großen Fensterscheiben herausgeschnitten. Der Besitzer zerstörte danach die Glasfassade: „Die sollen mich nicht mehr bestehlen. Dabei hätten sie mich doch nur zu bitten brauchen: Ich hätte ihnen alles geschenkt.“  

 
Michael Krupp
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Albrecht Dürer hat Karl den Großen mit der Reichskrone gemalt. Eine Geschichtsklitterung, denn die Reichskrone zierte erst später königliche Häupter. Die Wahrheit über den viel besungenen Roland, den Paladin des Kaisers, dürfte ebenso ernüchternd sein: Reine Geschichtsklitterung:

Die von Michael Krupp in scheinbar unschuldigem Weiß geformte Reichskrone, die er an einem unmajestätischen Ort, nämlich in einer Laube, platziert, thematisiert sich hier selbst und den Kontext, in dem sie gezeigt wird. Vor der Laube sprießen aus einem Beet weiße Chrysanthemen aus Silkon: Sie gelten als Blumen des Reichtums (chrysos = gold ) und dienen hierzulande auch als Beerdigungsschmuck: Krupps Beigabe für den einst prächtig blühenden, nunmehr todgeweihten Garten. Beide Arbeiten sind jetzt in der Galerie zu sehen.

 
Barbara Kruttke
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Barbara Kruttke vergräbt ihr dreiteiliges Bild ("Roland") in die Erde  des Kleingartens. Es wird so zu einem Bestandteil des Gartens und öffnet  gleichzeitig neue Räume -  einen gedanklichen und emotionalen Raum durch die gemalten Flächen und einen, der den Himmel und den Garten wiederspiegelt im Glasteil des Bildes.

Baraba Kruttke war im Sommer 2007 in der blühenden, noch nicht von Verwüstung bedrohten Gartenanlage mit der Kamera unterwegs. In der Galerie verbindet sie Fotografie mit Malerei.  So entsteht eine ebenso sinnliche wie philosophische Reflexion über Durchlässigkeit und Geschlossenheit, Fläche und Dreidimensionalität, Objekt und Widerschein.

 
Bea Otto
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Ein entkerntes leeres Haus. Dach, Fenster und Türen sind ausgebaut. Im Inneren klickt ein Diaprojektor. Er steht mittig vor dem Fenster, die Linse nach draußen gerichtet. Im Karussell sind Dias von Blumen, Sträuchern, Bäumen, Gärten. Die Bilder werden durchs Fenster in die Gärten ins Leere projiziert.

Der gleiche Projektor in der Galerie. Die Bilder von den Blumen, den Sträuchern, den Bäumen und den Gärten – sie wirken irreal: Eine vertraute und zugleich fremde, ferne Kleingartenwelt. Blasse, kraftlose Farben.

 
Johanna Roderburg
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Johanna Roderburg hat gleich am Eingang des Kleingartens ein geeignetes Objekt für ihren Entwurf gefunden: „Mich reizte  die Absurdität des funktionslosen Fachwerks an der Hauswand, das ja reines Dekor ist. Das Dekor habe ich fortgeführt und ergänzt, verwoben und geschichtet bis es ‚funktioniert’.  Die entstandene Funktion folgt der vorgegebenen Form.“

Hinweisschilder, die Johanna Roderburg im Treppenaufgang der Galerie angebracht hat, führen zu einem Fundstück aus dem Kleingarten: Eine grasgrüne Gartentür mit einem naturalistisch gemalten Bild des Couven-Pavillons auf dem Aachener Lousberg. Die Künstlerin wohnt gleich in der Nähe und hatte vor ein paar Monaten im Pavillon eine Ausstellung.

 
Beate Selzer
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Das Gartenhaus Nr. 26 bewahrt das Dekor der 60er und 70er Jahre: Blumengemusterte, holzimitierende Tapeten und Kacheln. Vier kleinformatige Bildtafeln mit geometrisch-ornamentaler Malerei hat Beate Selzer diesen Wänden dazugefügt.

Die Motive des Dekors und der Malerei werden verkuppelt, gehen eine Scheinbeziehung ein.
Die beiden Entwürfe 'Kreis-Weg' und 'Rosengarten' zeigen Ornamente, die im' Roland' mit eingefärbtem Mulch ausgelegt werden sollten.

 
Désirée Palmen
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"Als ich vom Verschwinden der Kleingärten wegen des Stadion-Neubaus hörte, hatte ich Bilder von Sportlern und Gärtnern vor Augen. Zwei Welten schoben sich übereinander. Sport und Gärtnerei. Gärtnerei und Sport. Als ich dann anfing, die Figuren zu zeichnen, ergab sich plötzlich, dass die Handlungen der gezeichneten Figuren sich viel mehr auf die Ursprungsidee der Kleingärten und des Sports - also auf die Körperbewegung - bezogen, als ich vermutet hätte: Als ob die Figuren die Geschichte der Kleingärten und des Sports erzählen wollen."

Desiree Palmen verweist auf einen Bericht der "Leipziger Internet Zeitung" über die Klein- bzw. Schrebergärten: "Auf den Schreber-Feldern wurde nicht gepflanzt, sondern geturnt. Frische Luft und Bewegung für die Kinder der arbeitenden Schichten waren das Wichtigste. Erst später entstanden rund um diese Turnfelder auch erste Gemüsebeete, damit die Arbeiterkinder auch Vitamine bekamen."

 
Foto-Sonderschau "Rolandsend" : 26. April - 03. Mai 2008
Eröffnung: Samstag, 26. April, 18 Uhr.
Ab 19 Uhr: Der Film „Temporäre Kleingärten“ von Miriam Pucitta und Michael Chauvistré
rolandsend
Pfingstrosen sprießen im zerwühlten Boden der ehemaligen Kleingartenanlage Roland – eine zwiespältige Idylle, von Sandra Borchers mit der Kamera festgehalten. In den zurückliegenden Tagen hat die Galerie hunderte von Fotos erhalten, die vor, während und nach einer sechstägigen Ausstellung im Kleingartengelände (23. - 28. Februar) entstanden sind. Auch die Künstler reihten sich in die Schar der Fotografen ein. Die Galerie dankt allen Beteiligten mit einer Sonderschau:

Sonja Benzner, Beate Müller, Pascalina Vretinari, Sandra Borchers, Eckhard Heck, Peter Hinschläger, Odine Lang. Constantin Leventakos, Adam C. Oellers, Sabine Offermanns, Astrid Piethan, Hilde Richter-Richard, Hans-Karl Rouette, Klaus Schüring, Sibille und Dietmar Spiegel, Astrid Urgatz, Volker Wagenitz.