Farbräume
Der Begriff der claritas, der Klarheit, verstanden im Sinne des Thomas von Aquin, steht gleichermaßen für reine Schönheit und geistige Reflektiertheit, die auf eine spirituelle Ebene verweist. In dieser Dichotomie bewegt sich die äußerst zeitgemäße Kunst der Düsseldorfer Malerin Barbara Kruttke. Ihre tektonisch gesetzten Farbfeldbilder erscheinen als subtil ausbalancierte Dialoge zwischen hermetischen Farbflächen auf malerisch strukturiertem, transluzidem Glas.
Indem die Arbeiten mit kleinen Stahlstiften in Abstand zur Wand angebracht sind, eröffnen sich spannungsreiche Farb-Licht-Räume zwischen Bildobjekt und Wand. Diese Mikrokosmen korrespondieren mit der Präsenz des Makroraums: örtlich vorgegebene Fenster oder Türen, die sich je nach Lichteinfall und Perspektive des Betrachters in den Glasoberflächen spiegeln, werden zu integralen Elementen der Gemälde. Die abstrakten Bilder assoziieren unvermutet gegenständliche Ausschnitte der Realität - und vice versa. So entsteht eine ebenso sinnliche wie philosophische Reflexion über Durchlässigkeit und Geschlossenheit, Fläche und Dreidimensionalität, Objekt und Widerschein.
Auch in ihren raumgreifenden Wandmalereien geht Barbara Kruttke stets auf die spezifische Ausstellungssituation ein: Sensitiv und konzentriert definiert sie in der Wahl der Farbe und in der Betonung signifikanter Achsen den Ort und schafft einnehmende Wirkungsfelder, die nachhaltig in der Erinnerung des Betrachters fortbestehen.