Christine Erhard (33) war von 1996 bis 1998 an der Kunstakademie Düsseldorf Meisterschülerin bei Fritz Schwegler. Ihr wurde 2002 der Künstlerinnenpreis des Landes NRW verliehen -
Für Christine Erhard ist die Fotografie zugleich Ausgangspunkt wie Endstadium ihrer Arbeit - der dazwischenliegende, sehr ausschlaggebende Werkprozess kann dem letztendlichen Resultat zwar nicht mehr unbedingt angesehen werden, doch das Wissen um diesen Vorgang rückt das fotografische Ergebnis in ein anderes, wenn man so will theoretischeres Licht.
Am Anfang einer Arbeit steht für Christine Erhard das Sondieren von fotografischem Bildmaterial, das teils von eigener Hand, teils aus Printmedien und anderen Quellen stammt.
Die ausgewählten Elemente werden dann für den nächsten Arbeitsschritt vorbereitet, indem die Künstlerin sie, z.B. mit Hilfe der digitalen Bildbearbeitungstechniken, aus ihrem Kontext löst und isoliert. Sodann errichtet sie aus diesen Bestandteilen - ergänzt durch sog. "Echtmaterialien" wie z.B. Glas oder Textilien, - dreidimensionale Raummodelle, die ganz alltägliche, um nicht zu sagen banale Architektursituationen darstellen: Bürokomplex, Fassade, Vordach etc. lauten die lapidaren Titel ihrer Bilder. Dann schließlich folgt der dritte entscheidende Schritt: Die Künstlerin fotografiert ihre Architekturmodelle so geschickt ab, dass das Abbild die künstlich kombinierten Einzelteile zu einem in sich geschlossenen Raumbild verklammert. Im Foto erscheint als Realität, was in Wirklichkeit nur die Reproduktion eines Modells ist. Doch die vermeintliche Glaubwürdigkeit der Fotografie, mit der die Künstlerin augenzwinkernd spielt, erstickt Zweifel an der Echtheit des Motivs schon im Ansatz.
Die stereotype Beschaffenheit der fingierten Orte lässt beim Betrachter zudem den Eindruck aufkommen, diese zu kennen, was die Illusion von Authentizität noch steigert. Mit ihren reproduzierten artifiziellen Architektursimulationen liefert Christine Erhard einen ironischen Kommentar zu dem ausgehöhlten Realitätsbegriff, wie er charakteristisch ist für unsere technologisierte Medienwelt.
Biographie
1969 geboren in Crailsheim (Baden-Württemberg) 1992 - 1998 Studium der freien Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf, bei Prof. Fritz Schwegler 1996 Meisterschülerin 1998 Akademiebrief lebt und arbeitet in Düsseldorf
Einzelausstellungen
1996 "Blick in die Ausstellung", Buchprojekt
1997 Sommeratelier im Kulturbahnhof Eller, Düsseldorf; mit Judith Samenn
1998 "Blick in die Ausstellung", Galerie Bodo Niemann, Berlin
1998 "Düsseldorf ArtistsŤ Archive", High Street Project Gallery, Christchurch; Neuseeland
1998 Schnitt - Ausstellungsraum, Köln; mit Anneke de Boer
1999 "aus der Sammlung des Museum-Müller"; Kunstadapter, Wiesbaden
2001 "Interieurs"; Kunstadapter Wiesbaden
2001 Galerie Bodo Niemann, Berlin
2001 www.mmki.de, Museum für moderne Kunst im Internet
2002 Kunststiftung Baden-Württemberg, Stuttgart, mit Marc von Criegern
2002 Goethe- Institut, Mailand
Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)
1996 "Raum/Zeit Bild/Raum", Museum Folkwang, Essen; Konstmuseet Göteborg;
Valokuvataiteen Museo Helsinki (Kat.)
1997 "5", Kunstverein Heinsberg (Kat.)
1998 "terminal", Musashino Art University, Tokyo
1999 "Reconstructing Space: Architecture in Recent German Photography",
Architectural Association, London (Kat.)
1999 Städtische Galerie Lüdenscheid
1999 "Neuland - Die Landschaft in der zeitgenössischen Fotografie", Nassauischer Kunstverein, Wiesbaden (Kat.)
2000 "Trendwände", Kunstraum Düsseldorf
2001 "Young German Photography"; De March & Solbiati, Legnano (Mailand)
2001 "review - preview", Kunstadapter Frankfurt
2001 "Nowadays", Galerie Spazio Erasmus Brera, Milano
2001 Stipendiatenausstellung, Schloss Ringenberg, Hamminkeln
2002 "Architektur und Landschaft", Galerie Bodo Niemann, Berlin
2002 "Transistor", Museum het Valkhof, Nijmegen (Kat.)
2002 "Places of life", Scuderie Medicee, Poggio ai Caiano (Prato), Italien (Kat.)
2002 "EAST international", Norwich Gallery, Norwich School of Art and Design, Norwich (Kat.)
2002 "Mixed Media", BBK Stapelhaus, Köln (Kat.)
2002 "Raum ohne Raum", Allianz Versicherungs-AG Köln (Kat.)
2003 "Zeitgenössische Deutsche Fotografie", Museum Folkwang, Essen;
Nationale Litauische Gemäldegalerie, Vilnius; Kunsthalle Arsenal, Riga (Kat.)
2003 "Modellierte Wirklichkeiten", Oberösterreichische Landesmuseen, Landesgalerie, Linz (Kat.)
2003 "Wonderlands - Perspektiven aktueller Photographie" Museum Küppersmühle Duisburg
2003 Galerie van Dedem & Tielkemeijer, Olst, Niederlande
Stipendien/Preise
1996 tipendium für zeitgenössische deutsche Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung, Essen
2001 Stipendium Schloß Ringenberg des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW 2002
2001 Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg
2001 Künstlerinnenpreis des Landes NRW im Bereich Fotografie, Förderpreis
Bibliografie (Auswahl)
"East International 2002", Matt Price, Frieze Nov./Dez. 2002
"Eigentlich baue ich das Bild", Susanne Keil, Westdeutsche Zeitung 24.08.02
"Modell von Wirklichkeit", Peter Herbstreuth, Tagesspiegel, 21.04.01
"In welchem Stil wir bauen", Michael Kasiske, Die Tageszeitung 29.03.01
"Von der Bildfindung zur Bild-Erfindung", Magdalena Kröner, Rheinische Post 10.11.00
Ausstellungskatalog "Reconstructing Space: Architecture in recent german photography", Michael Mack, AA Publications London 1999
"Vom Menschen befreit", Marc Peschke, Der Architekt 9/99
"Der neue Blick - über die Architekturfotografien einiger jüngerer Künstler", Marc Peschke, Baukultur 5/99
"Leere Hallen", Gislind Nabakowski, Frankfurter Allgemeine Zeitung 7.4.99
"Bilder von Bildern von Bildern", Swantje Koerner, Rheinische Post 25.08.97
Austellungskatalog "Raum /Zeit Bild /Raum", Ute Eskildsen, Museum Folkwang , Essen 1996
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